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Glossen (zum alltäglichen Wahnsinn)
Stichwortsuche im "Roten Punkt":

Wann gibt es denn endlich mal was Neues?

Es ist ja nichts Besonderes, wundern tut es mich eh nicht und wer in dem Folgenden gar ein Symptom des Zustandes der politischen Moral in diesem Lande sehen will, muss ein Phantast sein:
Berlin (AP) Laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung haben 115 Bundestagsabgeordnete gegen Ende der letzten Wahlperiode auf Kosten der Steuerzahler noch für insgesamt 68.800 Euro 396 Füller und Stifte der Nobelmarke Montblanc gekauft. Das berichtet die Zeitung in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf die Bundestagsverwaltung.
Von Januar bis Juli 2009 wurden demnach 180 Füller und Kugelschreiber und von August bis Oktober 216 Stifte ausgeteilt. Dem Bericht zufolge haben mehrere Abgeordnete trotz Ausscheidens aus dem Parlament sogar noch eine ganze Reihe goldener Füller geordert.

Hoffnungsvolle Töne, jedoch.....

München/Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will in der Innenpolitik neue Schwerpunkte setzen. Er sehe sich nicht nur als Sicherheits- oder Polizeiminister, sondern als einen Minister, der sich um alles kümmert, «was unser Land im Innersten zusammenhält».
Das sagte de Maizière der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). Mit Blick auf die Anti-Terror-Gesetzgebung betonte der CDU-Politiker, er könne nicht «zur Vorbeugung gegen jede Gefahr ein Gesetz machen». Er fügte hinzu: «Ich bin der Überzeugung, dass sich das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit nicht am Ausmaß der Gesetzgebung bemisst.»
De Maizière sagte, er wolle raus «aus den alten Lagern». Mit dem Begriff Innere Sicherheit könne er wenig anfangen. «Mir gefällt "innerer Frieden" und "öffentliche Sicherheit" besser.»
Mein erster Gedanke war: Wow! Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte nichts und niemand mich davon abhalten können, die CDU zu wählen! Aber ich kenne doch meine Pappenheimer, irgendwo liegt der Hund begraben:
Zugleich warnte er den Koalitionspartner FDP vor der Erwartung, sie könne Lockerungen der Anti-Terror-Gesetze im Streit durchsetzen. «Wenn wir uns nicht einigen, gibt es keine Veränderungen», sagte de Maizière.

Irgendwie geht alles weiter

Nach dieser Klatsche lande ich automatisch in der Rubrik "Klatsch" und finde dort nicht nur die Erkenntnis, dass der schlechte Film einfach weitergeht, sondern auch die Erkenntnis, dass nur vom Schlechten etwas zu lernen sei:
(AP) Regisseur Werner Herzog guckt selbst nicht allzu gerne Filme an. In den vergangenen elf Monaten habe er nicht einen Film gesehen, sagte Herzog, der bei der kommenden Berlinale als Jury-Präsident mehr als 20 Filme in zehn Tagen sehen muss, der «Berliner Morgenpost». Im Schnitt komme er auf zwei, drei Filme im Jahr. «Die meisten davon sind ziemlich schlecht.» Allerdings lerne er nur von schlechten Filmen, sagte der 67-Jährige.

Die Kunst im Lichte der Scheinheiligkeit

Hach, wo sind doch Zeiten, als es die Inquisition noch gab! Heutzutage muss man sich mit einer Warnung begnügen:
Rom (AP) Bei einem Empfang für Maler, Musiker und Schauspieler hat Papst Benedikt XVI. am Samstag die Freundschaft der katholischen Kirche mit der Welt der Künste betont. Sie seien Treuhänder der Schönheit in der Welt, wandte sich der Papst am Samstag in der Sixtinischen Kapelle an die mehr als 250 Künstler, darunter auch Bildhauer, Autoren, Architekten, Tänzer und Regisseure. «Mit Ihrer Kunst werden sie zu Boten und Zeugen der Hoffnung für die Menschheit», erklärte er. Sie sollten sich aber vor «verführerischer, doch scheinheiliger» Schönheit in Acht nehmen. Unter den hauptsächlich italienischen Zuhörern waren Stars wie Regisseur Giuseppe Tornatore, Sänger Andrea Bocelli und Tänzerin Carla Fracci.

Dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

München (AP) Im Industrie- und Energiegeschäft und bei Chipkarten ist Infineon Weltmarktführer, im Autogeschäft die Nummer zwei. Langfristig hofft Bauer auf Wachstum durch drei Trends. Der erste sind Halbleiter, die beim Energiesparen helfen, ob in der Waschmaschine oder im Auto. Nicht nur Bosch, «sogar der Papst verlässt sich auf uns», sagte Bauer: Die Solaranlage auf dem Dach der vatikanischen Audienzhalle werde mit Infineon-Chips gesteuert.

Die Jugend hat das Wort

München (ddp). Der Begriff «hartzen» ist zum Jugendwort des Jahres 2009 gewählt worden. Das Verb hätten Jugendliche vom Begriff «Hartz IV» abgeleitet, es bedeute «arbeitslos sein» oder «rumhängen», teilte der Langenscheidt Verlag am Dienstag in München mit. Auf Platz zwei landete «bam», das nach Verlagsangaben die neueste Variante von «cool» ist. Den dritten Rang belegte «Bankster». Das Wortspiel aus Banker und Gangster bezeichnet einen Bankangestellten, der in der Finanzkrise spekulative Geschäfte macht.
«Rudelgucken», die deutsche Übertragung für «Public Viewing», schaffte es auf den vierten Platz. Rang fünf ging an «Pisaopfer», Synonym für einen Schulabgänger mit fehlender Allgemeinbildung.

Das ist doch gang und gäbe!

Dass alles, was bekannt wird, nur die Spitze des Eisberges ist, erweist sich immer wieder. Und so langweilen Berichte wie der Folgende eher, als dass sie Widerspruch und Protest herausfordern:
Düsseldorf (AP) Der Sicherheitsdienst der Telekom soll einem Bericht zufolge in mehr als 70 bisher unbekannten Fällen Mitarbeiter des Konzerns oder Geschäftspartner mit illegalen oder fragwürdigen Methode bespitzelt haben. Dies ergab eine streng vertrauliche Auswertung von 92.000 Seiten Akten durch die Rechtsabteilung zusammen mit der Beratungsfirma KPMG, wie die «Rheinische Post» schreibt. Ein Telekom-Sprecher erklärte auf AP-Anfrage, er könne die Zahlen nicht bestätigen, da die Auswertung noch laufe.
In mehr als 300 Fällen wurden dem Blatt zufolge Telefondaten illegal erfasst. Häufig sollen private Kontodaten unerlaubt geknackt sowie Fotos von einzelnen Personen gemacht oder Flugbewegungen erfasst worden sein. Es sei unklar, wie der Konzern an die Informationen gekommen sei.
Der Konzern hatte die Untersuchung der im Rahmen der Ermittlungen zur Spitzelaffäre zeitweise beschlagnahmten Akten veranlasst, nachdem er sie von der Bonner Staatsanwaltschaft im Juli zurückbekommen hatte. Wie lange die Prüfung durch die Expertenkommission und die KPMG noch andauere, sei noch unklar, sagte der Telekom-Sprecher. Man hoffe aber, in diesem Jahr fertig zu werden.
Alle Vorfälle haben laut «Rheinischer Post» nichts mit der bereits bekannten Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten durch den Konzern zu tun, wegen der Anklagen vor Weihnachten erwartet werden.

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