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Sonette

 

Die Reihe der Sonette wird fortgesetzt, links das Original von William Shakespeare
und rechts die Nachdichtung von Karl Kraus:

 

LXIII

 

LXIII

Against my love shall be as I am now
With Time's injurious hand crushed and o'erworn,
When hours have drained his blood and filled his brow
With lines and wrinkles, when his youthful morn

Einst trifft wie mich, Geliebter, dich die Zeit
mit ihrer wilden Wut und macht dich mürbe.
Wenn sie dein Blut gedörrt, dir Runzeln streut
auf deine Stirn, an denen Schönheit stürbe;

Hath travelled on to age's steepy night,
And all those beauties whereof now he's king
Are vanishing, or vanished out of sight,
Stealing away the treasure of his spring:

wenn in die Nacht sie lockt den jungen Tag,
und Herrlichkeit, der du als Herr noch heute
befiehlst, sie abzuwenden dir vermag,
und wenn dein Frühling fiel der Zeit zur Beute:

For such a Time do I now fortify
Against confounding age's cruel knife,
That he shall never cut from memory
My sweet love's beauty, though my lover's life.

für solche Zeit, dich ihres Schwerts zu wehren,
bewähr ich Kraft, als deines Werts Erhalter;
nicht soll die Zeit ihn mit dir selbst verheeren,
er sei bewahrt durch alle Menschenalter.

His beauty shall in these black lines be seen,
And they shall live, and he in them still green.

 

Sein Zeugnis ist mein Lied in schwarzen Lettern
auf meiner Liebe immergrünen Blättern!

LXIV

 

LXIV

When I have seen by Time's fell hand defaced
The rich-proud cost of outworn buried age,
When sometime lofty towers I see down-rased,
And brass eternal slave to mortal rage.

Seh ich mit grausem Griff die Zeit zerwühlen
erhabnen Prunk der hingesunknen Welten;
stell ich mir vor, wie stolze Türme fielen,
und Trümmer nur für erzne Male gelten;

When I have seen the hungry ocean gain
Advantage on the kingdom of the shore,
And the firm soil win of the watery main,
Increasing store with loss, and loss with store.

seh ich des Meers begehrendes Gebiß
an königlichem Strande wölfisch nagen,
und wie das Festland wieder sich entriß,
Gewinn Verlust, Verlust Gewinn muß tragen;

When I have seen such interchange of state,
Or state itself confounded, to decay,
Ruin hath taught me thus to ruminate
That Time will come and take my love away.

und seh ich diesen Wandel, dies Verkümmern,
und alles, was da war, zum Schluß ein Schemen -
da steigt mir der Gedanke aus den Trümmern:
die Zeit wird mir auch meine Liebe nehmen.

This thought is as a death which cannot choose
But weep to have, that which it fears to lose.


 

 

 

Gedanke, der in Todestrauer führt:
zu denken, daß man hat, was man verliert!

Zum Sonderheft "Drei Künstler/innen":

 

 

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